Die jüngsten Lebensmittelskandale

Das neue Jahr ist gerade einmal drei Monate alt und schon wurden die Verbraucher von einer Reihe von Lebensmittelskandalen erschüttert. Alles begann zu Anfang des neuen Jahres in England, wo falsch deklariertes Rindfleisch in den Supermärkten auftauchte. Statt des ausgelobten Rindfleischs entdeckten Lebensmittelkontrolleure Pferdefleisch in Tiefkühl-Produkten.

Es dauerte nur ein paar Wochen, bis auch in deutschen Supermärkten Produkte mit Pferdefleisch entdeckt wurden. Kurze Zeit später wurde Betrug um falsch deklarierte Bio-Eier gemeldet. Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sollen millionenfach als Bio-Eier in den Handel gelangt sein. Der dritte und letzte Fall in dieser Reihe betrifft schadhaftes Futtermittel: Verschimmelter Mais wurde zu Mischfutter verarbeitet und an Rinder, Schweine und auch Geflügel verfüttert. Eine Gesundheitsgefährdung sei zwar unwahrscheinlich, so hieß es zumindest aus Behördenkreisen, doch alleine die Vorstellung, dass Tiere verdorbenes Futter erhalten haben, war schon mehr als unappetitlich.

Was eint diese drei Fälle der jüngsten Vergangenheit und auch die anderen Lebensmittelskandale, die wir in den vorangegangenen Jahren erlebt haben? Und wer ist dafür verantwortlich?

Bei den meisten Fällen liegt Betrug im großen Stil vor. Mit Pferdefleisch, das bis zu 80 Prozent günstiger als Rindfleisch ist, lässt sich ein ordentlicher Gewinn erwirtschaften, wenn man es denn als Rindfleisch ausgibt. Auch Hühner in überfüllten Ställen zu halten und die Eier anschließend als Bio-Eier auszuloben, ist Betrug zur Gewinnmaximierung. Die Sachlage rund um den mit Schimmelpilzen belasteten Mais ist um einiges komplexer und wird in Agrarkreisen sogar als „normal“ wahrgenommen[1].

Als Verbraucher bekommt man den Eindruck, dass die Lebensmittelbranche häufig zu Betrügereien neigt. Tatsächlich ist es so, dass die Warenströme in einer immer globaler werdenden Welt stetig unübersichtlicher werden. Da kauft ein französisches Unternehmen Rindfleisch in Rumänien, verkauft dieses weiter an Firmen in anderen europäischen Ländern, die wiederum selbst die Rohware an Hersteller in die unterschiedlichsten Länder veräußern. Usw. usw. Dass es sich bei dem Fleisch gar nicht um Rind-, sondern um Pferdefleisch handelt, kommt erschwerend hinzu bzw. löste den eigentlichen Skandal aus. Missbrauch entwickelt sich offenbar besonders gut dort, wo sich schnell und einfach Geld verdienen lässt.

Ein weiteres bestehendes Vorurteil lautet, dass Lebensmittel heute nicht mehr sicher seien. Rein statistisch gesehen, sind unsere Lebensmittel heute sicherer als vor einem Jahrzehnt. Laut Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, sind 99,7 Prozent aller angebotenen Lebensmittel sicher, was sich nur auf den direkt krankmachenden Aspekt bezieht. Nur 0,1 bis 0,3 Prozent seien tatsächlich gesundheitsgefährdend[2].

Alle Produkte und Lebensmittel müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Damit diese eingehalten werden, werden diese von den Lebensmittelkontrollbehörden der einzelnen Bundesländer (Lebensmittelüberwachung ist Ländersache) kontrolliert. Doch Vorsicht: Für die Sicherheit der einzelnen Lebensmittel sind die Unternehmen selbst zuständig[3].

Das Prinzip der Unternehmerverantwortung gilt in ganz Europa. Unternehmen, die Lebensmittel weiterverarbeiten, müssen alle Rohstoffe einer Eingangskontrolle unterziehen. Regelmäßige interne Kontrollen, die den Untersuchungen der offiziellen Behörden mindestens ebenbürtig sind oder sogar darüber hinaus gehen, sind auf jeden Fall anzuraten. Dies ist wichtig, um frühzeitig schadhafte Lebensmittel zu erkennen und sie schnell aus den Verkehr ziehen zu können.

Ständige interne und umfassende Überprüfungen haben aber noch weitere positive Außenwirkungen. Sie zeugen davon, dass sich das Unternehmen um die Qualität der Lebensmittel sorgt und an der Aufrechterhaltung dessen ausgesprochenes Interesse zeigt. Der hohe Qualitätsanspruch wird gelebt und keine Kosten und Mühen gescheut, diesen Anspruch aufrechtzuerhalten. Nur so bleiben lebensmittelverarbeitende Unternehmen konkurrenzfähig und für den Verbraucher vertrauenswürdig. Mittel- und langfristig sind diese Firmen erfolgreicher und steigen in der Gunst der Kunden.